Symposium »Transparenzen«

Begleitend zur Ausstellung vertieft das internationale Symposium die Untersuchungen zum aktuellen Paradigma der Transparenz und zur Ambivalenz des Begriffs. Die eingeladenen ReferentInnen aus den Fachrichtungen der Design-, Literatur- und Kulturwissenschaft ordnen das Phänomen »Transparenz« kulturgeschichtlich ein, befragen es in Bezug zur künstlerischen Praxis und reflektieren es im Spannungsfeld von Individuum und Gemeinschaft. Die Tagung erweitert damit das zweiteilig, wechselseitig aufgebaute Ausstellungsprojekt »Transparenzen« im Bielefelder Kunstverein (07. November 2015 bis 17. Januar 2016) und im Kunstverein Nürnberg - Albrecht Dürer Gesellschaft (21. November 2015 bis 31. Januar 2016).

Konzept: Simone Neuenschwander, Thomas Thiel
Organisation: Cynthia Krell, Juliane Schickedanz

Anmeldung und Veranstaltungsgebühr

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine schriftliche Anmeldung per E-Mail an Cynthia Krell (krell@bielefelder-kunstverein.de) oder per Fax (0521-178810) erforderlich. Die Veranstaltungsgebühr der Tagung beträgt 12 Euro (ermässigt 8 Euro).

Veranstaltungsort

Bielefelder Kunstverein
im Waldhof
Welle 61
D-33602 Bielefeld
T +49 (0) 521.17 88 06
F +49 (0) 521.17 88 10
www.bielefelder-kunstverein.de
kontakt@bielefelder-kunstverein.de

Publikation

Im Januar 2016 erscheint eine Publikation mit den Tagungsbeiträgen, einer Dokumentation der Ausstellung und weiterführenden Texten.


METAHAVEN
»Black Transparency: Fantasy, Subversion, Aesthetics«

»Black Transparency« destabilisiert nicht nur die Strukturen der Macht, sondern entwurzelt auch die Geheimhaltung und/oder Vertraulichkeit von möglicherweise jeder Transaktion, die weltweit gemacht wird. Von Sony bis Ashley Madison, wir leben in einer Zeit noch nie dagewesener Leckstellen. Allerdings scheint es, dass der Zenit der progressiv ethischen und politischen Ideale, die mit Transparenz verbunden sind, bereits hinter uns liegt. Die gesellschaftlichen und politischen Ursachen für die radikale Transparenz, den Hacktivismus und die Straßenproteste in den Jahren 2010 und 2011, ausgelöst durch WikiLeaks, Anonymous und Occupy, haben sich im Grunde völlig aufgelöst. Die Berichterstattung des Post-Snowden-Überwachungsstaates hat sich nahezu privatisiert und befindet sich in wenigen Händen zentraler Medienakteure. Was sind subversive Strategien nach dem Zeitalter der Transparenz und welche Rolle spielen sie für die Ästhetik?

Metahaven wurde 2007 von Vinca Kruk und Daniel van der Velden gegründet. Zu ihren jüngsten Publikationen gehören »Can Jokes Bring Down Governments?« (Strelka Press, 2013), »Uncorporate Identity« (Lars Müller Publishers, 2010) und »Black Transparency« (Sternberg Press, 2015). 2013 wurden Metahaven mit dem Cobra Art Prize ausgezeichnet und vom ICON Magazin als Design Studio des Jahres geehrt. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Publikationen wie etwa 032C, frieze, e-flux journal, New York Times Magazine, Süddeutsche Zeitung, Libération und Paper veröffentlicht. Ihre Projekte wurden unter anderem im MoMA PS1, New York (2013), im Rahmen der Gwangju Design Biennale, (2011), im Artists Space, New York (2013) und Museum of Modern Art, Warschau (2014) präsentiert.

www.metahaven.net
twitter @mthvn

Foto: Marilyn Molzahn

PROF. DR. EM. MANFRED SCHNEIDER
»Durchsichtige Körper, gläserne Wände: Utopien der Transparenz«

»Transparenz« ist ursprünglich ein gelehrter Begriff. Er entstammt der Theologie der Scholastik und bezeichnet den ästhetischen Zustand der Ewigen Seelen. Diese Vorstellung seliger Durchsichtigkeit lebt in wissenschaftlichen wie literarischen Konzepten der Neuzeit und Moderne fort. Sie erträumt neue utopische Zustände individueller und sozialer Sichtbarkeit: Wird nicht unser Leben friedlich und vollkommen sein, wenn wir selbst und unsere Welt vollkommen transparent sind? Dieser Transparenztraum wirkt in den aktuellen Debatten über den »gläsernen« Bürger, über das Ende der Privatheit, aber auch in den Forderungen nach perfekter Durchsichtigkeit allen politischen und ökonomischen Handelns nach. Der Vortrag wird an Bildern und an Beispielen aus Philosophie, Literatur und Wissenschaft die Modernisierung der einstigen seligen Zustände illustrieren.

Manfred Schneider, geboren 1944, ist Literatur- und Medienwissenschaftler. Als emeritierter Professor der Ruhr-Universität Bochum lehrt er zeitweise als Gastprofessor am German Department der University of Virginia in Charlottesville, USA. Schneider studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Freiburg im Breisgau. 1981 wurde er auf die Professur für
»Neuere deutsche Literaturwissenschaft« an die Universität GH-Essen berufen, von 1999 bis 2013 war er Professor für »Neugermanistik, Ästhetik und Medien« an der Ruhr-Universität Bochum. Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeit sind die Literatur und Ästhetik der Moderne, Medientheorie, Literatur und Recht. Neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit äußert sich Schneider immer wieder als Kritiker, Kommentator oder Essayist im Hörfunk sowie im politischen Feuilleton verschiedener Tageszeitungen. Zuletzt veröffentlichte er die viel beachteten Werke »Das Attentat. Kritik der paranoischen Vernunft« (Berlin, 2010) und »Transparenztraum. Literatur, Politik, Medien und das Unmögliche« (Berlin, 2013).

www.ruhr-uni-bochum.de

Programm

Samstag, 28. November 2015

12 Uhr

Begrüßung und Einführung
Thomas Thiel (Direktor, Bielefelder Kunstverein)
Simone Neuenschwander (Direktorin, Kunstverein Nürnberg - Albrecht Dürer Gesellschaft)

»Durchsichtige Körper, gläserne Wände: Utopien der Transparenz«
Prof. Dr. em. Manfred Schneider (Literatur- und Medienwissenschaftler, Bochum)

Pause

14 Uhr

»Approaching Secrecy and Transparency through Art«
Dr. Clare Birchall (Kulturtheoretikerin, King's College, London)

»Black Transparency: Fantasy, Subversion, Aesthetics«
Metahaven (Amsterdam)

Pause

16.30 Uhr

Podiumsgespräch mit Clare Birchall, Metahaven, Simone Neuenschwander, Manfred Schneider und Thomas Thiel

 

Abstracts

 

Bielefelder Kunstverein, Tagung »Schaubilder. Bilder als Wissensmodelle«, Foto: Ralf Litera

PROF. DR. CLARE BIRCHALL
»Geheimhaltung und Transparenz – Eine Annäherung über die Kunst«

Kunst, die sich mit den Themen Geheimhaltung und Transparenz befasst, hat das Potenzial, das aktuelle Verständnis und die Diskussionen über jene Praktiken auf eine subtile, aber wichtige Art und Weise zu verändern. Der Vortrag wird vorherrschende Denkweisen über Geheimhaltung und Transparenz vorstellen, um vor diesem Hintergrund unterschiedliche Herangehensweisen einzelner Kunstwerke zu betrachten. Zum Beispiel kann Kunst die BetrachterInnen von einer auf das Geheimnis bezogenen, reinen Hermeneutik, die an Sinnfragen und interpretierenden Herausforderungen interessiert ist, hin zu einer ästhetischen Erwiderung bewegen, die sich sowohl auf die distributive als auch affektive Kraft des Geheimnisses bezieht. Außerdem können Kunstwerke die Parameter der gemeinhin verbreiteten Debatten über die Geheimhaltung neu gestalten, indem sie fragen, was es bedeutet, von einem »Recht auf Geheimhaltung« zu sprechen anstatt von einem »Recht auf Privatsphäre«. Darüber hinaus können uns einige Kunstwerke aufzeigen, wie wir uns Transparenz jenseits der gegenwärtigen Bestimmung durch den Neoliberalismus vorstellen können. Kunst hat deshalb das Vermögen, die Geheimhaltung aus den Fesseln des verbrieften, neoliberalen Staates zu entreißen, um neue Wege der Annäherung an, des Begreifens von sowie des Umgangs mit Geheimhaltung und Transparenz anzubieten.

Clare Birchall, ist Kulturtheoretikerin und Dozentin am Department of English, King’s College London. Sie ist die Autorin der Publikationen »Knowledge Goes Pop: From Conspiracy Theory to Gossip« (Berg, 2006) und Mitherausgeberin von »New Cultural Studies: Adventures in Theory« (Edinburgh University Press, 2007). Außerdem hat sie als Redakteurin inhaltlich an den Ausgaben der Fachzeitschriften »Theory, Culture and Society« und »Cultural Studies« mitgewirkt. Ihre jüngste Forschungsarbeit widmet sich dem Verhältnis von Geheimhaltung und Transparenz im digitalen Zeitalter. Mit ihrem Projekt »DATA – PSST! Debating and Assessing Transparency Arrangements – Privacy, Security, Surveillance, Trust« nimmt sie mit einer Reihe von Research-Seminaren am Economic and Social Research Council (ESRC) teil. Des Weiteren verbindet Birchall mit ihrer Forschung das Interesse an internetbasierten und Open Access-Formen des Publizierens: Sie ist eine der Herausgeber des Online-Journals »Culture Machine«, Teil des Redaktionsteams und Mitherausgeberin für die »Open Humanities Press« sowie im Team der Publikationsreihe »Living Books About Life«.

www.kcl.ac.uk


»TRANSPARENZEN« WIRD GEFÖRDERT DURCH DIE

 

MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON: